Vorbei der Zauber!

Es ist Sonntag der 27. Dezember 2020. Der Heilige Abend und zwei Weihnachtsfeiertage liegen hinter mir.  „Vorbei ist der Zauber!“ schrieb mir eine Freundin gestern noch. Stimmt das wirklich?

In den Wochen vor Weihnachten war ich viel unterwegs. Coronabedingt konnte ich ein paar Frauen, die ich im „Lebe leichter-Kurs“ begleitet habe, nicht persönlich treffen. Unsere wöchentlichen Videotreffen waren eine gute Alternative, ersetzten aber nicht wirklich den direkten Austausch. Wir hatten aufbauende Worte füreinander, aber manchmal langt das nicht. In so manches Gesicht blickte ich durch die Kamera und sah dabei Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit. Wie gerne hätte ich die ein oder andere mal in den Arm genommen oder ihr ermutigend über den Rücken streicheln wollen. Meiner anfänglichen Hilflosigkeit entsprang die Idee, die Frauen nun wöchentlich zu beschenken: ein Briefkuvert mit aufbauenden Worten, Impulsen, einem kleinen Geschenk und die Erinnerung daran, wie wunderbar ihr himmlischer Vater jede einzelne Frau gemacht hat. Am letzten Abend konnten wir sogar auf das Ende eines erfolgreichen Kurses vor dem Bildschirm anstoßen. Meine Motivation, mein Herz und meine Liebe, die ich in den vergangenen Wochen gegeben hatte, hatten sich gelohnt und wurden dankbar angenommen.

Einen Tag vor Weihnachten bin ich wieder unterwegs. Eigentlich wollte ich nur ein paar Weihnachtsgrüße verteilen. Ein paar Köstlichkeiten mit ein paar Gedanken zur Weihnachtszeit und einer Karte vor der Haustüre abstellen, klingeln, eineinhalb Meter zurücktreten, ein paar nette Worte und dann wieder gehen. Daraus wird aber so schnell nichts. Das Redebedürfnis bei den meisten Menschen ist groß. Die einen freuen sich einfach nur über die Aufmerksamkeit und das Wiedersehen. Eine Nachbarin fragt sich, wie sie das Weihnachtsfest dieses Jahr überhaupt gestalten soll „Es muss ja doch etwas mehr sein, als nur Geschenke auspacken!“. „Weihnachten findet im Herzen statt!“ sagt einen andere Nachbarin. Eine Freundin ist sich unsicher, ob sie nun in den Gottesdienst gehen soll oder nicht. Eine andere ist Pfarrerin und spricht mit mir über all die Mühe und Vorbereitungen, die sie in ihre Gottesdienstvorbereitungen gesteckt hat, damit er ohne Ansteckungsgefahr für die Besucher durchzuführen ist. Die nächste Freundin wiederum hat ganz andere Probleme mit der Trennung von ihrem Mann und den Kindern. Ein Herz fasse ich mir noch und gehe auch zu der Nachbarin, mit der ich selber manchmal so meine Sorgen habe. Sie erzählt mir von dem Schmerz, ihre Familien, die im Ausland lebt, nun schon über ein Jahr nicht mehr gesehen zu haben. Das Coronjahr steckt allen irgendwie in den Gliedern. Mit einem „Frohe Weihnachten!“ und schon gar einer Umarmung ist es dieses Jahr nicht getan! Ich merke, zuhören, aufmerksam in das Gesicht meines Gegenübers zu blicken und zuversichtliche Worte finden ist wichtiger denn je.

Am 24. Dezember bin ich in meiner eigenen Familie „unterwegs“. Bei fröhlicher Weihnachtsmusik beginnen wir den Baum zu schmücken. Wie jedes Jahr stöhnt mein Mann beim Entwirren und Anbringen der Lichterkette. Wie jedes Jahr ziert unseren Baum die ganz eigene Christbaumspitze.

Wie jedes Jahr bereite ich mit meiner ältesten Tochter den Kartoffelsalat zu. Wie jedes Jahr feiern wir mit den Großeltern. Wie jedes Jahr machen wir unseren Weihnachtsspaziergang. Eine Sache ist allerdings anders. Aus Rücksicht auf die Großeltern und die Urgroßmutter im Pflegeheim haben wir uns als Familie zurückgezogen und besuchen keinen Gottesdienst vor Ort. Trotzdem zieht der Zauber der Heiligen Nacht auch bei uns zu Hause ein. Wir singen gemeinsam Weihnachtslieder und die Kinder haben ihr ganz eigenes Krippenspiel zur Weihnachtsgeschichte vorbereitet. Es war wirklich schön!

Noch vor 21 Uhr verabschieden sich die Großeltern. Der Mann bringt die Kinder ins Bett. Ich räume das Chaos nach dem Fest auf. Im Hintergrund höre ich Weihnachtslieder aus dem Radio. Ich öffne die Terassentüren, um zu lüften und stehe draußen in der Ruhe und Dunkelheit der Nacht. Kirchenglocken läuten. Während ich so da stehe, spüre ich ein paar Tränen im Auge, werde konfrontiert mit meiner eigenen Verletzlichkeit und Sehnsucht. Ja, tapfer habe ich mich in den vergangenen Wochen geschlagen, aber spurlos sind sie nicht an mir vorübergegangen. Dennoch spüre ich in der Tiefe dieses einen Momentes Trost. Spüre wie ein Funken der Ewigkeit in mein Herz fällt. Nehme Worte für mich an: „Fürchte dich nicht! Heute ist der Retter zur Welt gekommen! Es ist Christus, der Herr!“ Betend und dankend nehme ich dieses Geschenk an!

Vorbei ist der Zauber? Ich denke nicht! Indem ich dieses große Geschenk, den Mensch gewordenen Gott für mich annehme, wirkt der Zauber auch weiterhin in mein Leben hinein! Lass dich nicht entmutigen und nimm auch du den Zauber der Heiligen Nacht mit in die kommenden Tage, Wochen, Monate … in dein Leben!

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas 2, 14)

Steffi