Nobody ist perfekt! – Ein Plädoyer für die Unvollkommenheit

Theoretisch wissen wir, dass niemand perfekt ist. Trotzdem erwarten wir das Perfekte.

„Es ist längst nicht alles perfekt, vollkommen in unserem Leben. Doch: wir verlangen das – von wem auch immer. Wir erwarten, dass die Arbeit Spaß macht; unsere Beziehungen perfekt sind; die Erziehung der Kinder gut läuft; alle Pläne gelingen; es uns immer gut geht. Nicht selten fordern wir unser Recht ein nach einem schönen, guten, perfekten Leben. Am meisten von Gott. So ist Leben nicht! Vieles gelingt nicht ganz, sondern nur teilweise. Wir sind meistens nur teilweise gute Mütter und Väter, nur teilweise gute Ehemänner und Ehefrauen, nur teilweise gute Freunde und Begleiter…….Wir sind nur teilweise ohne Verbitterung, nur teilweise glücklich, nur teilweise ohne Schuld, nur teilweise unbeschwert, nur teilweise ohne Selbstzweifel, nur teilweise selbstbewusst……Unser Leben bleibt immer irgendwie begrenzt, unvollkommen, endlich, unvollständig.“ (Armin Jans)

„Das christliche Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern ein Gesundwerden, nicht Sein, sondern Werden, nicht Ruhe, sondern eine Übung.“ 
(Martin Luther)

„Bisweilen sind wir unwilliger, wenn unsere Erwartungen teilweise, als wenn sie gar nicht erfüllt werden.“ (Otto Weiss)

Wie kommen wir mit diesem „TEILWEISE“, mit dieser „UNVOLLKOMMENHEIT“ zurecht?

Das Schöne ist: Auch wenn im operativen Geschäft des täglichen Lebens dieses „TEILWEISE“ gilt, sind wir in Gottes Augen schon vollkommen und gerecht. „Allein aufgrund des Glaubens nimmt Gott Menschen an und lässt sie vor seinem Urteil als gerecht bestehen. Er fragt dabei nicht nach Leistungen, wie das Gesetz sie fordert.“ (Römer 3, 28)

„Die Frucht des Heiligen Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“ (Galater 5, 22-23)
Eine Frucht wächst nicht von heute auf morgen. Sie braucht Zeit. Neulich habe ich Radieschen ausgesät. Jetzt ist der Same aufgegangen. Darüber habe ich mich gefreut, obwohl die Frucht noch nicht fertig gewachsen ist. 

Wir sollten immer wieder genau hinschauen, was in unserem Leben schon neu geworden und gewachsen ist. Wir sollten das feiern und Gott dafür danken. Denn es zeigt, dass Gott in unserem Leben etwas verändert und tatsächlich etwas Neues entsteht. „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ (Jesaja 43,19)

Wir sollten auch immer wieder das „TEILWEISE“ und „UNVOLLKOMMENE“ unseres Lebens annehmen und bejahen. Christus nimmt uns auch so an, wie wir sind. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“ (Römer 15,7) Wo wir einander annehmen, da kann es uns auch helfen, dass wir uns selbst annehmen. 

Thomas Alexi