Gemeinschaft als soziale Medizin

Ich habe in der zweiten Ausgabe von “Psychologie heute” (Ausgabe von 2019) einen Artikel über die Bedeutung von Gemeinschaft für unsere Gesundheit gelesen. Davon möchte ich hier einiges wiedergeben.

Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Das ist kein großes Geheimnis. Deshalb leben wir schon immer in Gruppen, der Sippe, dem Familienverbund. Interessant ist, dass trotzdem 40% der deutschen Haushalte nur aus einer Person bestehen. Hat der Mensch vielleicht nicht mehr so viel Lust auf Leben in Beziehung? Oder ist uns Beziehungsfähigkeit abhanden gekommen?

Bemerkenswert ist die Bedeutung der Gemeinschaft für uns Menschen. Sie ist für unser Wohlergehen wichtiger, als bisher angenommen. Das zeigen Forschungen, die australische Wissenschaftler in dem Buch „The New Psychology of Health: Unlocking the Social Cure“ darlegen. Die Forschungsergebnisse machen deutlich: Wer Teil einer Gemeinschaft ist, tut etwas sehr wichtiges für seine psychische und körperliche Gesundheit.

Im Rahmen einer Studie baten Forscher der University of Queensland Männer und Frauen elf Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen, in eine Reihenfolge zu bringen. Auf den ersten Plätzen setzten sie: „nicht rauchen“, „körperlich aktiv sein“ und „nicht übergewichtig sein“. Der Vergleich mit einer Metastudie, in der 148 Einzeluntersuchungen durchgeführt worden sind, zeigt aber sehr deutlich, dass „Unterstützung durch Andere“ und „das Eingebundensein in eine Gemeinschaft“ am wichtigsten sind für eine gute Gesundheit. In den Urteilen der Befragten landeten diese Faktoren jedoch weit abgeschlagen auf den hintersten Plätzen.”

Der Psychologe und Psychiater Manfred Spitzer wirbt in seinem neuen Buch „Einsamkeit – die unerkannte Krankheit“ für ein Leben in Gemeinschaften. Spitzer warnt eindringlich vor den Folgen der Vereinzelung. 

Er sagt: Wer einsam lebt bzw. sich ausgeschlossen und einsam fühlt, hat ein deutlich höheres Risiko krank zu werden und früher zu sterben. Warum? Der Körper reagiert auf Vereinsamung mit Stress. Es wird das Hormon Kortisol ausgeschüttet, damit der Mensch, wenn er alleine ist, wach, kampf-und fluchtbereit ist. Wer einsam ist, der ist auf sich alleine gestellt und muss alleine kämpfen. Wenn man sich dauerhaft in diesem Stressmodus befindet, führt das zu gesundheitlichen Problemen wie Zucker, Bluthochdruck, Schwächung des Immunsystems, Magengeschwüre und sogar Osteoporose. Auch im Blick auf die seelische Gesundheit ist Gemeinschaft wichtig. Forschungen belegen: Wer in eine Gemeinschaft fest eingebunden ist, hat ein geringeres Risiko an einer Depression zu erkranken – oder nach einer bereits überstandenen Depression irgendwann wieder depressiv zu werden. 

Soweit diese Inhalte aus Psychologie heute. Hier wird mal wissenschaftlich begründet, was uns vielleicht mehr oder weniger bewusst ist, nämlich wie wichtig und heilsam gute Beziehungen sind. Vor diesem Hintergrund kann ich wieder nur neu staunen über die Bibel. Darin geht es schwerpunktmäßig genau um diese Thema: Beziehungen. Es geht um die Beziehung zu Gott und die Beziehung der Menschen untereinander. Gott ist es sehr wichtig, dass wir eine gute Beziehung zu ihm selbst und gute Beziehung zu unseren Mitmenschen haben. Im Blick auf dieses Thema kann man dann auch sagen: Gott ist das wichtig, weil er weiß, wie heilsam das für uns ist. Gott will einfach, dass es uns gut geht.

Deshalb lohnt es sich in die Bibel zu schauen und zu lesen, was darin über das Gestalten und Gelingen von Beziehungen steht.

Thomas Alexi